Warum Terragen Classic?

Meine erste Berührung mit Terragen hatte ich im Jahr 2002. Das ist in „Internet-Zeitrechnung“ eine Ewigkeit her. Aus der damals aktuellen Version ging – über Terragen 0.9.43 als letzte „alte“ Version – mit dem Erscheinen von Terragen 2 Terragen Classic hervor. Es folgten einige Jahre mit großer Begeisterung und einer stetig wachsenden Anhängerschaft.

tg_classic_interface-300x215Im Jahr 2008 konnte mich Terragen trotz einer großartigen deutschen Community vorübergehend nicht mehr begeistern. Das mag auch an dem jetzt einsetzenden Niedergang einer bis dahin sehr lebendigen Terragen-Community (Terra-Dreams) gelegen haben. Viele User wendeten sich Terragen 2 zu, manche wendeten sich enttäuscht ganz ab. Ich selbst konnte mich mit dem neuen Konzept bis heute nicht anfreunden. Vielen ging es ähnlich. Letztendlich markierte der Veröffentlichungstermin einen tiefen Einschnitt für die deutsche TerragenGemeinde.

Woran lag es, dass Terragen 2 – obwohl doch lange sehnsüchtig erwartet – in große Teile der Community nicht den erwarteten Motivationsschub brachte? Terragen 0.9 ist in seinen Funktionen ein sehr einfach zu bedienendes und zuverstehendes Programm. Es ist vergleichbar mit dem  Schachspiel – die Grundregeln sind sehr einfach, die Vielzahl der sich daraus ergebenden Möglichkeiten machen es zu einem der komplexesten Spiele überhaupt. Während also Terragen 0.9 dank seiner Schlichtheit schnell ansehnliche und nach steiler Lernkurve bei vielen herausragende Ergebnisse ermöglichte, war dies fortan den noch ambitionierteren Anwendern vorbehalten.

In seiner Einfachheit erlaubt es mir Terragen Classic, nahezu intuitiv zu  arbeiten und mich auf meine Kreativität zu konzentrieren. Zudem übt die Herausforderung, mit wenigen Funktionen möglichst beeindruckende Ergebnisse zu erreichen und die engen Grenzen immer wieder auszuloten, ungeachtet einiger Schaffenspausen eine nach wie vor ungebrochene Faszination auf mich aus.

Natürlich habe ich Versuche mit Terragen 2 unternommen. Die alte Lust an der Kreativität wollte jedoch nicht aufkommen. Manche wenden an dieser Stelle ein, dass man sich nur intensiver mit dem Programm auseinander setzen muss, weil es doch um so viel komplexer sei als Terragen Classic. Aber genau das möchte ich nicht. Ich „mache Terragen“ zum Spaß, aus der Freude am Gestalten und am fertigen Bild. Aber ich habe nicht viele Programme kennen gelernt, die sich den Annäherungsversuchen des Anwenders derart störrisch widersetzen. Ich empfinde die Bedienung und das Userinterface mehr als Behinderung denn als Mittel zur Kreativität. Und da bleibt für mich der Spaß auf der Strecke. Aber die Diskussion über die Pros und die Contras ist in der Vergangenheit bereits hinreichend geführt worden und wird naturgemäß wohl niemals zu einem Abschluss kommen – zumindest bis zu dem Tag, an dem Terragen Classic auf einem aktuellen Computer nicht mehr lauffähig ist …

Doch am Schluß das Wichtigste. Die aktuellen Terragen-Versionen ermöglichen es nach entsprechender Einarbeitung und gestalterischem Aufwand, tatsächlich beeindruckend realistische Bilder zu erzeugen, die nicht mehr als computergenerierte Landschaften zu erkennen sind. Abseits von der Bewunderung für das technisch Machbare frage ich mich jedoch: worin könnte für mich der Reiz liegen? Denn was ich an den „alten“ Terragen ClassicBildern so liebe, ist die einzigartige ganz spezielle Athmosphäre, die einem gut gemachten Bild innewohnt. Die Ergebnisse neuerer Versionen empfinde ich dagegen häufig als steril und seelenlos.

Mein Standpunkt ist sicher heute exotisch und dürfte auf Widerspruch stossen, und tatsächlich ist es ja nur meine ganz persönliche und damit absolut unmaßgebliche Auffassung. Dieser Text soll lediglich verdeutlichen, warum ich diesen „old school“ Landschafts-Generator noch heute liebe.

(Veröffentlicht am 18.11.2013)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.